Die acht Trigramme des I Ging

Was sind Trigramme?

Die acht Trigramme, chinesisch bāguà (八卦), sind traditionelle chinesische Zeichen aus jeweils drei Linien. Ein Trigramm besteht aus durchgezogenen oder unterbrochenen Linien. Die durchgezogene Linie steht für Yang, die unterbrochene für Yin. Da jede der drei Linien zwei mögliche Formen haben kann, ergeben sich insgesamt acht verschiedene Zeichen.

Die Linien werden üblicherweise von unten nach oben gelesen. Die Trigramme können einzeln erscheinen oder miteinander verbunden werden. Zwei übereinandergestellte Trigramme bilden ein Hexagramm, also ein Zeichen aus sechs Linien. Auf diese Weise entstehen 64 mögliche Hexagramme, deren Bedeutungen und Texte im Yijing, dem „Buch der Wandlungen“, überliefert sind.

Yin und Yang bezeichnen dabei einander entgegengesetzte, zugleich aufeinander bezogene Kräfte. Die Trigramme stellen diese Polarität in unterschiedlichen Kombinationen dar. Sie wurden im Zusammenhang mit Weissagung, chinesischer Kosmologie und weiteren traditionellen Ordnungssystemen verwendet.

Die acht Trigramme im Überblick

Die Zeichen werden im Folgenden mit ihrer Umschrift, ihrem Naturbild und ihrer traditionellen familiären Zuordnung vorgestellt.

Qian – Himmel ☰

Qian (乾, qián) besteht aus drei durchgezogenen Yang-Linien. Sein Naturbild ist der Himmel. In der familiären Zuordnung steht Qian für den Vater. Als traditionelle Eigenschaften werden unter anderem schöpferische Kraft, Stärke und Beharrlichkeit genannt.

Dui – Sumpf oder See ☱

Dui (兌, duì) setzt sich von unten nach oben aus zwei durchgezogenen und einer unterbrochenen Linie zusammen. Die obere Linie ist unterbrochen. Sein Naturbild ist ein Sumpf, See oder Gewässer. Dui steht für die jüngste Tochter. Mit dem Zeichen werden Freude und Offenheit verbunden.

Li – Feuer ☲

Li (離, lí) hat eine durchgezogene untere Linie, eine unterbrochene mittlere Linie und eine durchgezogene obere Linie. Das mittlere Liniensegment ist somit offen. Sein Naturbild ist das Feuer. Li bezeichnet die mittlere Tochter und wird unter anderem mit Licht, Klarheit und dem Anhaften verbunden.

Zhen – Donner ☳

Zhen (震, zhèn) besteht aus einer durchgezogenen Linie unten und zwei unterbrochenen Linien darüber. Sein Naturbild ist der Donner. In der familiären Ordnung ist Zhen der älteste Sohn. Das Zeichen wird mit Erregung, Bewegung und dem Hervorbringen von Bewegung in Verbindung gebracht.

Xun – Wind ☴

Xun (巽, xùn) weist unten eine unterbrochene und darüber zwei durchgezogene Linien auf. Sein Naturbild ist der Wind. Xun steht für die älteste Tochter. Als traditionelle Eigenschaften werden Sanftheit und das Eindringen oder Durchdringen genannt.

Kan – Wasser ☵

Kan (坎, kǎn) besteht aus einer unterbrochenen Linie unten, einer durchgezogenen Linie in der Mitte und einer unterbrochenen Linie oben. Sein Naturbild ist das Wasser. Kan bezeichnet den mittleren Sohn. Mit dem Zeichen werden unter anderem Tiefe und Gefahr verbunden.

Gen – Berg ☶

Gen (艮, gèn) hat zwei unterbrochene Linien unten und eine durchgezogene Linie oben. Sein Naturbild ist der Berg. Gen steht für den jüngsten Sohn. Zu den überlieferten Eigenschaften gehören Stillstand, Ruhe und das Bewahren einer Grenze.

Kun – Erde ☷

Kun (坤, kūn) besteht aus drei unterbrochenen Yin-Linien. Sein Naturbild ist die Erde. In der familiären Zuordnung steht Kun für die Mutter. Das Zeichen wird mit Empfänglichkeit, Nachgiebigkeit und Hingabe verbunden.

Naturbilder und familiäre Zuordnungen

Die Naturbilder bilden ein grundlegendes Ordnungssystem der Trigramme: Himmel, Sumpf oder See, Feuer, Donner, Wind, Wasser, Berg und Erde. Diese Begriffe sind traditionelle symbolische Zuordnungen. Sie bezeichnen nicht lediglich physische Erscheinungen, sondern dienen innerhalb des Systems des Yijing auch dazu, Beziehungen und Wandlungsprozesse zu beschreiben.

Eine weitere wichtige Ordnung ist die Familie. Qian, der Himmel, und Kun, die Erde, werden als Vater und Mutter verstanden. Aus ihnen gehen symbolisch drei Söhne und drei Töchter hervor. Die Söhne sind Zhen als ältester Sohn, Kan als mittlerer Sohn und Gen als jüngster Sohn. Die Töchter sind Xun als älteste Tochter, Li als mittlere Tochter und Dui als jüngste Tochter.

Diese Einteilung folgt der Verbindung von Yin- und Yang-Linien. Vater und Mutter bestehen jeweils aus drei gleichartigen Linien: Qian aus drei Yang-Linien, Kun aus drei Yin-Linien. Die übrigen Trigramme enthalten Mischungen beider Linienformen. Die familiären Rollen sind dabei traditionelle symbolische Beziehungen und keine psychologischen Charakterbeschreibungen.

Bedeutung im I Ging

Die Trigramme sind ein grundlegendes Darstellungsmittel des Yijing. Sie können einzeln betrachtet werden und tragen jeweils ein Naturbild, eine familiäre Zuordnung und weitere traditionelle Entsprechungen. In Verbindung mit einem zweiten Trigramm bilden sie ein Hexagramm aus sechs Linien.

Die Stellung der beiden Trigramme ist für die Darstellung eines Hexagramms maßgeblich: Ein Trigramm steht unten, das andere oben. Die 64 möglichen Kombinationen bilden den Hauptbestandteil des Yijing. Die Bedeutung eines Hexagramms ergibt sich dabei nicht nur aus den beiden einzelnen Trigrammen, sondern auch aus ihrer Verbindung und der jeweiligen Überlieferung des Buches. Eine ausführliche Darstellung der 64 Hexagramme und ihrer Reihenfolge gehört in den Artikel „Die 64 Hexagramme“.

Überlieferung und unterschiedliche Anordnungen

Für die acht Trigramme sind verschiedene Anordnungen überliefert. Besonders bekannt sind die Xiantian-Ordnung, wörtlich „Vor-Himmel“, und die Houtian-Ordnung, „Nach-Himmel“. Die erste wird traditionell dem legendären Herrscher Fu Xi zugeschrieben. Die zweite gilt in der Überlieferung als Anordnung des Königs Wen der Zhou-Dynastie. Die Bezeichnungen verweisen auf unterschiedliche kosmologische Vorstellungen: Xiantian steht für einen ursprünglichen oder vorkosmischen Zustand, Houtian für die Welt nach ihrem Eintritt in die Erscheinung.

In der Xiantian-Anordnung stehen sich die reinen Grundkräfte Himmel und Erde gegenüber: Qian verkörpert reines Yang, Kun reines Yin. Feuer und Wasser erscheinen als gemischte Formen dieser Kräfte. Die Trigramme werden außerdem in Gegensatzpaare geordnet: Himmel und Erde, Feuer und Wasser, Donner und Wind sowie Berg und See. Bei den jeweiligen Gegenzeichen sind alle drei Linien entgegengesetzt.

Die verschiedenen Anordnungen sind somit Ausdruck unterschiedlicher traditioneller Ordnungssysteme. Sie gehören zur Überlieferung und Deutungsgeschichte des Yijing und sind nicht mit einer einzigen, historisch eindeutig belegten Reihenfolge gleichzusetzen.

Quellen und Lizenz

Ausgangsquellen

  • Wikipedia: Acht Trigramme. Verwendet für die Grundbeschreibung der Trigramme, die Naturbilder, familiären Zuordnungen sowie die überlieferten Anordnungen.

  • Wikipedia: Bagua. Englischsprachige Ergänzungsquelle für die Beschreibung der acht Zeichen, ihre traditionellen Zuordnungen und ihren Zusammenhang mit dem I Ging.

Der Artikel wurde auf Grundlage dieser beiden Wikipedia-Beiträge neu formuliert, gekürzt und redaktionell bearbeitet. Die Inhalte wurden nicht unverändert übernommen.

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