Geschichte und Überlieferung

Die Tradition geht davon aus, dass die Prinzipien des I Ging auf den „Berufenen“, die Ahnengottheit, zurückgehen. Dieser habe die acht grundlegenden Zeichen entdeckt. König Wen und sein Sohn Zhou sollen die inzwischen auf 64 angewachsene Zahl der Zeichen mit Handlungsanweisungen versehen haben.

Vor der Zhou-Dynastie soll es neben dem Zhou Yi noch weitere schriftliche Überlieferungen der Hexagramme gegeben haben, das Lian Shan Yi und das Gui Cang Yi, die jedoch verloren gegangen sind.

Seit der Entdeckung der Orakelknochen aus der Shang-Zeit (2. Jahrtausend v. Chr.) geht die Forschung davon aus, dass das I Ging aus dieser Orakelpraxis hervorgegangen ist. Diese Umwertung fand in China bereits in den letzten Jahren der Qing-Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) statt, wurde in Europa aber erst seit etwa 1980 wahrgenommen.

Die heute vorliegende Textredaktion des I Ging entstand im 7. Jahrhundert n. Chr. und wurde unter dem Titel Zhouyi zhengyi veröffentlicht; diese Ausgabe war jahrhundertelang der maßgebliche Text.

Ältere Überlieferungen

Für etwa 10 Prozent des Standardtextes gibt es bereits seit dem 2. Jh. v. Chr. Zeugnisse, darunter die epigraphische Überlieferung auf Steinstelen.

1973 wurde in einem Grab der Ausgrabungsstätte Mawangdui bei Changsha in der Provinz Hunan ein Seidentext (ca. 2. Jh. v. Chr.) mit einer vom Standardtext abweichenden Version des I Ging gefunden, der seit seiner ersten Veröffentlichung 1993 als Mawangdui-Seidentext bekannt ist. Nach Edward Shaughnessy weichen etwa 12 Prozent des gesamten Textes des Mawangdui I Ging von der überlieferten Form des Textes ab.

1977 wurden bei Ausgrabungen in Shuanggudui bei Fuyang in der Provinz Anhui Bambusstreifen mit Fragmenten des Zhōu Yì (2. Jh. v. Chr.) gefunden. Seither sind durch weitere archäologische Funde noch ältere oder parallele Versionen des Zhōu Yì (die Bambustexte von Chu und die Guodian-Bambustexte) entdeckt worden.

Die älteste Schicht

Die älteste Schicht des Buches wird Zhōu Yì genannt. Das Zhōu Yì besteht aus 64 Gruppen von je sechs durchgehenden oder unterbrochenen Linien. Diese Gruppen werden auch Hexagramme genannt. In der konventionellen Anordnung ist das Zhōu Yì in zwei Bücher unterteilt, das erste enthält die ersten dreißig Hexagramme, das zweite die Zeichen 31 bis 64. Jedes Hexagramm wird nach einem einheitlichen Schema dargestellt: Ein Bild, der Name, ein Spruch mit einer kurzen Erklärung und eine Erklärung der einzelnen Striche.

Darüber hinaus enthält das Buch seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. eine Reihe angehängter Texte, die so genannten “Zehn Flügel” oder auch “Kommentar zum Yì”, die aus zehn Dokumenten in sieben Abschnitten bestehen. Sie wurden traditionell Konfuzius zugeschrieben. Heute geht man davon aus, dass es sich um Kommentare seiner Nachfolger handelt. In einigen späteren Ausgaben wurden die ersten beiden Kommentare aufgeteilt und direkt den einzelnen Schriftzeichen zugeordnet.

Ursprünglich entstammen die Zeichen des Orakelteils der chinesischen Orakelpraxis, genauer dem Schafgarbenorakel, die Sprüche der Spruchtradition und der rituellen Praxis. In der gelehrten Rezeption seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. gab es zwei Deutungstraditionen: Die eine betrachtete das Werk als ein Handbuch der Weissagung.

Die andere versuchte eine philosophische Deutung und machte das Buch als Quelle kosmologischer, philosophischer und politischer Einsichten zum Gegenstand eines eindringlichen philosophischen Kommentars. Der volkstümliche Gebrauch des Zhōu Yì als Orakelbuch verlor sich jedoch nie, und das Verständnis des Textes als philosophisches „Weisheitsbuch“ prägte auch die europäische Rezeption.

Quelle: (https://de.wikipedia.org/wiki/I_Ging) überarbeitete Version

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